Airport Nuremberg
"Das etwas andere Rasenstück": *
Der Flughafen als ein wertvoller Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere
Das Flughafengelände ist in weiten Teilen ein für die Natur in Franken sehr wertvolles Gebiet mit ausgedehnten Heideflächen, feuchten Gräben und den für das mittelfränkische Becken typische (und leider selten gewordenen) Sandgrasheiden. Dies hat verschiedene Gründe: Weite Teile des Geländes waren früher Flugsanddünen, die nach der Eiszeit dort abgelagert wurden. Im Laufe der Zeit wurden diese mehr und mehr eingeebnet und sind noch deutlich an ihrem lückigen Bewuchs mit „Sandmagerrasen“ zu erkennen. Der Golfplatz nördlich des Geländes wurde ebenfalls auf solchen Flugsanddünen angelegt.
Fast der gesamte Ostteil des Geländes war bis zum Bau des Flughafens Wald mit lockeren Kiefern- Eichenbeständen. Dieser Wald war ein kleinräumiges Mosaik aus feuchten Mulden und trockenen, kleinen Erhebungen. In den Mulden wuchsen Torfmoose, der trockenere Teil war dicht mit Preiselbeeren und Heidekraut bewachsen. Noch heute finden sich diese ausgedehnten Heideflächen, unterbrochen von feuchteren Abschnitten im Nordostteil des Flughafens. In den Entwässerungsgräben wachsen noch dichte Polster mit Sonnentau, einer fleischfressenden kleinen Pflanze, die die mangelnden Nährstoffe im Boden (vor allem Stickstoff) durch Fliegenfang ausgleicht.
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Links: Sandgrasheide auf alten Dünen im Vordergrund, Fettwiese im Hintergrund
Rechts: Sie Sandgrasnelke, eine der Leitarten der Sandgrasheiden im mittelfränkischen Becken, die sonst nur an der Küste vorkommt
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Wichtig für die Entwicklung der Flächen war und ist, dass das Gelände nur für wenige zugänglich ist, früher regelmäßig beweidet wurde und seit ca. 20 Jahren gemäht wird. Diese konstante Nutzung hat es ermöglicht, dass sich diese wertvollen Flächen erhalten haben und nicht verbuscht oder bewaldet sind.
Im Laufe der Flughafengeschichte wurden allerdings auch große Teile sehr stark verändert. Flächen wurden aufgefüllt und planiert, Entwässerungsgräben wurden angelegt und große Teile für den wachsenden Flughafen bebaut. Für die landwirtschaftliche Nutzung wurden Teile der Grünlandflächen gedüngt, so dass die entstandenen (Fett)Wiesen keine Besonderheit mehr darstellen. Die einst im gesamten Raum zwischen Bamberg und Weißenburg verbreiteten Pflanzengesellschaften auf nährstoffarmen und oberflächlich leicht austrocknenden Sanden sind dadurch sehr selten geworden. So selten, dass sie sogar im EU-Vertrag von Maastricht als europaweit schützenswert eingestuft worden sind.
Der Flughafen hat aber dennoch viel zu bieten. Die Sandtrockenrasen, die Heideflächen und die wechselfeuchten Bereiche sind ein wertvoller Lebensraum für viele vom Aussterben bedroht Insekten. So kommen auf den lückigen Sandflächen die Blauflügelige Ödlandschrecke und der Sandlaufkäfer vor.
In lückiger Vegetation graben Solitärbienen ihre Brutröhren. (Solitärbienen haben keinen Bienenstock, sondern jede Biene gräbt für sich lange Brutröhre - die sie umsichtig tarnt, wenn sie auf Futtersuche ist - und legt dort für die Nachkommen Vorräte an). Es gibt Grabwespen, die Raupen und andere Insekten lähmen und mit einem Ei vergraben und es gibt Kuckucksbienen, die beobachten, wo eine Biene ihren Bau hat, um dann nachzugraben und ihre Eier dazuzulegen.
In Mittefranken kommen über die 400 verschiedene sandbewohnende Bienen, Hummeln und Wespen vor, ein Großteil davon gefährdet, weil die Standorte zerstört, überbaut werden und die Futterquellen fehlen.
Der Flughafen, mit seinem geschützten Charakter und seiner konstanten, nicht auf Ertrag orientierten Grünlandwirtschaft ist daher eines der wichtigen Offenlandökosysteme im gesamten Mittelfränkischen Becken, der diesen kleinen Tieren und vielen typischen Pflanzen das Überleben ermöglicht.